Tunnelblick: LLuc – Tossals Verds – Biniaraix

Cuber

Während ein Großteil der Mallorca Touristen diese Woche am Meer rumgammelt, versuchen wir eine Wanderung in den jetzt einsamen Höhen rund um den Stausee „Cuber“ und dem „Puig Massanella“.

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen wir ab Campos über Palma das Kloster Lluc. Das nahe gelegene Refugi Son Amer wollte nicht nur wegen uns seine Türen öffnen. Einen preisgünstigen Ersatz bot das „Santueri de Lluc“, mit dem Luxus eines Zweibett-Zimmers ausgestattet und im erfreulichen Zustand der Leere.

Anscheinend hatte das „Consell de Mallorca“ das Wandern auf dem GR221 unter Strafe gestellt, so einsam gestaltete sich der Aufstieg zum „Coll des Prat“ auf dem schattigen Waldweg. Auf der von uns gefürchteten Hochebene am Massanella wehte zum high noon ein kühles Lüftchen.

Der Abstieg zum Tossald Verds bot uns spektakuläre Aussichten auf die Berglandschaft in gemäßigten, sanften Farbtönen des Abendlichts.

Auch das sonst stets überlaufende und arrogant daher kommende Refugi „Tossals Verds“ zeigte sich von seiner besten Seite. Lediglich 8 unerschrockene Wanderer in 2 Vierbettzimmern waren an diesem Abend beherbergt; -am Vortag hatte sich sogar nur eine einzelne Wanderin zum Refugi verlaufen!

Am nächsten Morgen ging es nach spartanischem Frühstück (unbedingt Verpflegung mitbringen!) Richtung Cuber.

Wegen der Hitze wählten wir die Tunnelstrecke, die uns abenteuerlich durch eine Vielzahl dunkler Stollen (Stirnlampe!) längs den Bewässerungsrohren, die dem Cuber entstammen, führte.

Der Cuber erschien uns dann wie ranziges Öl in einer rostigen Pfanne. Diesmal gab es kein Windlein zur Abkühlung der Gemüter, das psychologische Tief liess nicht lange auf sich warten.

Die Abstände von Rast zu Rast wurden kürzer, die Rastzeiten dafür umso länger! Jeder Schatten der vereinzelten Kiefern bot ein mögliches Ziel zur Erholung vor dem geistigen Auge des trägen Verstands. Dann endlich hatten die Kiefern ein Einsehen und verbündeten sich zu einem veritablen Wald, der den Überlebenswillen wieder ankurbelte! Auf das kurze Hochgefühl folgte ein langes Tief, das sich im Abstieg gen Biniraix manifestierte. Wir kannten den Rumpelpfad bereits aus schlechter Erfahrung, aber das Gedächtnis hält doch die positiven Eindrücke im Langzeit-Modus.

Einzig dem sonst so verpöhnten Stockeinsatz war es zu verdanken das starke Knieschmerzen ausblieben, ob des nicht endend wollenden Zickzack-Pfades. Die schroffe Bergwelt mit den waghalsigen Terrassenabhängen bot visuelle Ablenkung von der Kieseleinöde zu unseren Füßen.

Bei Ankunft in Biniraix verflog die Euphorie zu Gunsten einer temporären Depression, die der Tatsache geschuldet war das die einzige Bierquelle noch dicht war!

So ging es direkt weiter nach Soller, das erfreulich nahe an Biniaraix liegt und sich uns von seiner besten Seite zeigte…

Spannung: 4/5;  Ausdauer: 3/5;  Romantik: wetterbedingt 1/5;  Kost+Logis: 0/5; Landschaft: 5/5;  Abenteuer: 3/5

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